„The Intelligent Choir”
von Prof. Jim Daus Hjernøe
Prof. Jim Daus Hjernøe und die RAMA Voices; Foto: privat
„The Intelligent Choir“ oder kurz “TIC” ist der Titel einer maßgeblich von Prof. Jim Daus Hjernøe (Det Jyske Musikkonservatorium, Aalborg, DK) geprägten und sich nach wie vor in der Entwicklung befindenden Methode, die Chorleitung und das Singen im Chor basierend auf den Methoden traditioneller Chorleitung weiterdenkt und das Verhältnis von Singenden und Dirigierenden neu definiert. Die Methode ist geprägt von der Gleichberechtigung aller am Chor Beteiligten und der Verteilung der Verantwortung für die Musik auf viele Schultern – ein Gedankengang, der für viele Unterrichtsformen und nahezu alle musikalische Gruppenprozesse von Bedeutung ist.
Im Rahmen der Methode werden Vorschläge gemacht, wie Chorarbeit in verschiedene pädagogische Handlungsfelder unterteilt werden kann und wie die Kompetenzen der Singenden geschult werden können. Außerdem wird das Dirigat um die Zeichensprache Vocal Painting erweitert, bei der es darum geht, gemeinsam und aus dem Moment heraus Musik neu zu erschaffen. Dabei steht im Mittelpunkt, die persönliche Musikalität aller Beteiligten hörbar zu machen und sich dabei gegenseitig zu inspirieren. Es geht also um mehr als eine theoretische Schulung, es geht um die Erweiterung der persönlichen „Comfort Zone“ aller Mitglieder, um Schritte hin zu einer Eigenverantwortlichkeit beim Singen zu ermöglichen.
Vocal Painting basiert methodisch auf Walter Thompsons Sound Painting und besteht aus derzeit 75 verschiedenen Handzeichen und Gesten. Ähnlich wie bei einem Circle Song wie man ihn zum Beispiel von Leuten wie Bobby McFerrin oder Rhiannon zu hören bekommen könnte, werden meistens kurze Loops verwendet, um einen musikalischen Rahmen für eine Improvisation zu schaffen. Durch die Anwendung der Vocal Painting Handgesten wird während des Musikmachens eine Kommunikation innerhalb der Gruppe ermöglicht, bei der sich die leitende Person und die Gruppe wechselseitig inspirieren können und die auf gegenseitiger Wertschätzung beruht. Oberstes Ziel ist in jedem Fall das voranbringen des musikalischen Prozesses, nicht die Profilierung einzelner Mitglieder.
Ein weiteres, wichtiges Stichwort in „The Intelligent Choir” ist das Wort kucheza, das eigentlich aus der Sprache Swahili stammt und übersetzt sowohl spielen als auch tanzen bedeutet. Die Verknüpfung dieser beiden Dinge wird weitergedacht zu der Vorstellung “I am Music” - hiermit ist gemeint, dass Musik etwas ist, dass Menschen in sich tragen und hörbar machen können und dass letztlich die Freude am Musikmachen im Zentrum stehen soll. In der “Vocal Painting Documentary” erklärt neben anderen auch Jim Daus Hjernøe, wie das in seinen Worten zu verstehen ist und was er sich darunter vorstellt.
Mehr über „TIC” erfahren
Fortbildung zum Thema “Vocal Break” bei der EMSA-Fachtagung an der HfMT Köln; Foto: privat.
Im “Termine”-Bereich finden sich alle öffentlichen Termine, an denen ich TIC oder Vocal Painting unterrichte, jeweils mit allen Informationen zur Anmeldung. Aktuell arbeite ich an einem regelmäßigen Fortbildungsangebot im Kölner Raum, alle Infos dazu werde ich dann wenn es so weit ist über meinen Newsletter verschicken.
Grundsätzlich lässt sich innerhalb weniger Stunden ein erster Eindruck der Methode vermitteln und auch ein Kurzauftritt mit einer Gruppe vorbereiten. Wie bei vielen Dingen lohnt sich aber eine regelmäßige Auseinandersetzung noch mehr. “Learning by Doing” ist begleitend dazu auch ein wichtiger Schlüssel - also alles, was man z.B. aus einem Kurs irgendwie mitgenommen hat einfach mal mit der eigenen Gruppe ausprobieren. TIC und Vocal Painting eignen sich grundsätzlich für sämtliche Niveaus, auch in erfahrungsheterogenen Gruppen.
Um einen besseren Eindruck von der Funktionsweise der Methode und den zugrundeliegenden Gedanken zu vermitteln, habe ich ein Einführungsvideo mit vielen Aufnahmen von praktischen Beispielen aufgenommen. Dieses stelle ich auf Anfrage gern zur Verfügung.
Hier geht es außerdem zur offiziellen Informationsseite zur Methode (auf Englisch). Dort finden sich auch Informationen zur Vocal Painting App, bei der es sich um das momentan einzige verfügbare Lernmaterial zum Selbstdtudium handelt.
„TIC” studieren
Det Jyske Musikkonservatorium in Aalborg; Foto: privat
Derzeit gibt es keine institutionalisierte Ausbildung in der Methode in Deutschland.
Unter ramavocalcenter.dk findet sich (wieder auf Englisch) eine Übersicht über alle Studienangebote an der Royal Academy of Music (Dänisch: Det Jyske Musikkonservatorium) - der Hochschule, an der die Methode entwickelt worden ist und immer noch weiterentwickelt wird. Das sehr breite Angebot bietet für nahezu jeden Bedarf etwas passendes, von kurzen, passiven Hospitationen über berufsbegleitende part-time Studiengänge bis hin zum (kostenfreien) MMus als Vollstudium oder einem darauf aufbauenden postgraduate Soloist-Diploma (vergleichbar dem deutschen Konzertexamen).
Aalborg ist mit dem Flugzeug von den meisten deutschen Flughäfen aus mit Umstieg in Amsterdam oder Kopenhagen oder von Norddeutschland aus auch mit dem Auto unkompliziert erreichbar und die Hochschule liegt in der Stadt verkehrsgünstig. Auch eine Anreise per Bahn ist komfortabel möglich.
Eine weitere Möglichkeit des Studiums der Methoden rund um TIC bietet das Codarts Rotterdam, wo ein eigenes, modulares Kursprogramm aufgebaut wurde. Alle Informationen dazu finden sich auf der entsprechenden Homepage Vocal Leadership.